Ein gutes Musikvideo darf alles, nur nicht nerven

First things first

Wie macht man eigentlich ein richtig gutes Musikvideo? Unser Kameramann und Regisseur Oliver Wengeler weiß genau, worauf es ankommt und stellt sein Wissen und seine Fähigkeiten immer wieder unter Beweis. Zuletzt beim Make the cut-Wettbewerb von Adobe, bei dem ein Clip zu dem Lied Believer von Imagine Dragons geschnitten werden sollte.

Second things second

Über 160 professionell produzierte Videosequenzen von unterschiedlicher Länge wurden zur Verfügung gestellt, aus denen der richtige Schnitt das perfekte Musikvideo machen sollte. „Während der Arbeit hört man den Song so oft, da ist es schon von Vorteil, wenn er einem von Beginn an gefällt“, sagt Oliver, dem Believer direkt ins Ohr ging und der des Songs noch immer nicht überdrüssig geworden ist. Bei der Sichtung des Rohmaterials lief er im Hintergrund, um die Atmosphäre von Lied und Video fassen zu können. Das hilft, in den vielen einzelnen Sequenzen die verschiedenen Stränge zu erkennen, mit denen gearbeitet werden soll, um die beinahe poetischen und eher frei interpretierbaren Lyrics zu erzählen und zu untermalen: Leadsänger Dan Reynolds, wie er tanzt, wie er singend im Ball Chair sitzt, im Boxkampf mit seinem 20 Jahre älteren Ich, während die dunkle Umgebung von Lasern durchschnitten wird.

Third things third

Dazu zieht sich ein prägnanter Beat durch das Stück. Man sollte sich jedoch nicht dazu verleiten lassen, ihn seinem Schnitt als Muster zugrunde zu legen. „Der beste Schnitt ist der, den man als Zuschauer gar nicht bemerkt“, weiß Oliver und nutzt einerseits den markanten Rhythmus als Basis für Bild- und Szenenwechsel, bricht andererseits auf geschickte Weise bewusst mit diesem Muster und findet anschließend immer wieder in den Beat zurück. Insgesamt erfordert die Arbeit mehr Konzentration, als mancher vielleicht vermutet: Zehn verschiedene Videospuren hat sich Oliver parallel zur Tonspur gelegt und muss hierüber den Überblick behalten, entscheiden, zu welcher Passage welcher Musiker gezeigt wird, wann sich welcher Handlungsstrang am besten anbietet, um die Geschichte zu erzählen. Und dass der Kameramann nicht wahllos geschnitten, sondern sich sein Vorgehen ganz genau überlegt hat, erkennt Laie wie Profi. Doch eher letzterer wird es wohl sein, dem auch auffällt, dass an ganz ausgewählten Stellen Kniffe eingesetzt sind und ganz bewusst mit typischen Regeln gebrochen wird. Beispielsweise als ein gekonnt eingesetzter Achssprung Reynolds‘ Kampf gegen sich selbst auf die Spitze treibt.

Last things last
Das Schneiden des Clips ist nicht mal eben und nebenbei erledigt, sondern umfasst etliche Stunden Arbeit, die eine willkommene Abwechslung zu den übrigen Aufgaben des Arbeitsalltags darstellen. Besonders, wenn das Ergebnis so gut gelingt, wie in diesem Fall. Auf die Frage, was es denn nun ist, das ein gutes Musikvideo ausmacht, antwortet Oliver ohne zu überlegen: „Ein gutes Musikvideo darf alles, nur nicht nerven.“

2018-05-07T12:57:49+00:0019. Mai 2017|Allgemein, Contentfactory, Materna TMT|
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!